Rückblick: Willkommen in der Oberliga!

Noch ein Spiel, dann haben die Rüsselsheim Royals die Vorrunde hinter sich. Nach dreizehn Begegnungen ist es an der Zeit, ein kleines Oberliga-Resümee zu ziehen.

Als Aufsteiger hat man es nicht leicht. Das ist kein besonders origineller Einstieg, aber nicht weniger als die schlichte Wahrheit. Die laufende Oberliga-Spielzeit war noch keinen Monat alt, als allen Spielern bereits klar war, dass sich die Reise durch das Oberhaus für den Rüsselsheimer Roll- und Schlittschuh-Club schwieriger als erwartet gestalten würde. Zwar wusste jeder, der das Trikot mit dem grinsenden Totenkopf auf der Brust trägt, dass in der höchsten Spielklasse ein anderer Wind weht. Mit derartig heftigen Turbulenzen und einer solch hohen Anzahl an Nackenschlägen hat aber kaum jemand gerechnet.

 

Nun könnte man sich stundenlang über verpasste Chancen, verschlafene Viertel oder das prall gefüllte Vereinslazarett auslassen. Sicherlich trugen all diese Probleme dazu bei, dass nach dreizehn Spielen gerade einmal drei Siege für die Mannschaft zu Buche stehen, die in der abgelaufenen Landesliga-Saison noch von Sieg zu Sieg eilte. Willkommen in der Oberliga.

 

Gruselige Spiele

 

Sicherlich waren zwischen April und Juli einige Darbietungen dabei, die man getrost als Grütze bezeichnen darf. Als Beispiel dafür dient der Auftritt am Rebstockgelände, als man sich nach einer 2:1-Halbzeitführung noch mit 4:11 vom Platz schießen ließ. Die Geisterbahnfahrt gegen die bärenstarke erste Mannschaft des ISC Mannheim im Friedrichspark war auch nichts für schwache Nerven. Schon nach 27 absolut hilflosen Minuten und bei einem Rückstand von fünfzehn Toren fand die einseitige Partie durch die Anwendung der »Mercy Rule« ihr frustrierendes Ende. Das war so bitter, dass man kaum imstande ist, die passenden Worte dafür zu finden. Dazu gesellten sich noch einige enge Niederlagen, beispielsweise in Langen (6:7) oder vor heimischen Publikum gegen Frankfurt (5:7). In beiden Partien wären Punkte möglich gewesen.

 

Insgesamt verloren die Royals bis Mitte Juli fünf Spiele in Serie. Nach insgesamt acht absolvierten Begegnungen stand gerade mal ein Sieg gegen die Nordhessen Hornets zu Buche — und das auch noch nach Verlängerung. Dass die Opelstädter dabei eine richtig gute Leistung abriefen, geriet beim Blick auf die Tabelle schnell wieder in Vergessenheit. Mit zwei Punkten auf der Habenseite schien der Drops bereits gelutscht zu sein. Tabellenende, Kellerteam, Pleiten, Pech und Pannen, oh Hockeygott lass die Saison bald enden, dachten einige während dieser Wochen im stillen Kämmerlein.

In all den Frust platzte dann aber auf einmal ein Sieg hinein. Ja, sie haben richtig gelesen. Ein Sieg! Gegen die zweite Mannschaft des ISC Mannheim holten die Royals einen Dreier — und das gerade einmal mit sieben Feldspielern und bei gefühlten fünfzig Grad im Schatten. Der 7:4-Erfolg löste zwar nicht alle Probleme, war aber Balsam auf die geschundene Seele. Irgendwie schmeckte das Bier danach auch endlich mal wieder gut.

 

Doch das war lediglich ein Silberstreif am Horizont. Schon am nächsten Tag hatte der Hockeygott bei der Revanche in Mannheim die Royals vergessen. Wieder bloß mit sieben Feldspielern, Yul Brunner und seine glorreichen Revolverhelden hätten ihre Freude daran gehabt, lief der RRSC erneut gegen die zweite ISC-Truppe auf. Nach dem schweißtreibenden Spiel des Vortages ging dem letzten Aufgebot der Rüsselsheim Royals im alten MERC-Stadion irgendwann die Puste aus. 2:7 lautete das Endergebnis. Schon war alles wieder beim Alten. Und täglich grüßt das Murmeltier.

 

Echter Teamgeist

 

Es folgte eine Heimniederlage gegen die Bad Nauheim Blues, immerhin war die gemeinsam Grillparty nach der Schlusssirene cool, ehe der Terminkalender eine Begegnung ankündigte, die man eigentlich gar nicht mehr spielen wollte. Mannheim | schaute am Sommerdamm vorbei. Da dachten nicht wenige, dass die »Mercy Rule« mal wieder ins Haus stand. Was dann jedoch geschah, verblüffte nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Spieler selbst. Die Royals, wieder einmal mit einer Rumpftruppe am Start, brachten den für übermächtig befundenen Gegner an den Rand einer Niederlage. Noch im letzten Viertel lag der RRSC mit 7:5 vorne, ehe die Jungs das Glück verließ und die Hockeyspieler aus der Quadratestadt drei Treffer in Folge erzielten. Das entscheidende Gegentor kassierten die Opelststädter gerade einmal 15 Sekunden vor Schluss. Humorloser geht es nicht.

 

Trotz der couragierten Darbietung fühlte sich die 7:8-Niederlage wie eine schallende Ohrfeige an. Gerade auch, weil die wenigen Rüsselsheimer Spieler dermaßen viel in diese Begegnung investiert hatten, dass es fast schon zum Schreien war. Aber, und das sollte nicht vergessen werden, es war die beste Saisonleistung — und das mit Abstand. Die Jungs bildeten eine Einheit, waren eine echte Mannschaft und kämpften in jeder Phase füreinander. Dank dieser leidenschaftlichen Einstellung wäre beinahe die Sensation gelungen. Umso trauriger, dass man dem designierten Meister nicht wenigstens einen Punkt abnehmen konnte. Dennoch darf man auf diese Leistung stolz sein. Eines war jedoch gewiss: Die Mannschaft befand sich endlich im Aufwind.

 

Zweite Mannschaft legt los

 

Im Verein ging es in dieser Zeit ebenfalls voran. Eine zweite Mannschaft sollte installiert her. Daher schlugen die Royals mächtig auf die Werbetrommel, woraufhin sich zahlreiche Spieler meldeten. Schnell kam ein gutes dutzend Puckjäger zusammen, mittlerweile trainiert die Truppe jeden Montag am Sommerdamm.  Ihre Feuertaufe haben die Jungs ebenfalls schon bestanden: Auf einem Hockeyturnier in Egelsbach war die zweite Truppe im August mit von der Partie und maß sich mit den Five Lakes Wiesbaden und den Darmstadt Homis. Nun hofft man im Verein, dass sich dieser positive Trend fortsetzt. Das Fundament ist jedenfalls schon vorhanden.

 

Höchster Saisonsieg gegen Langen

 

Doch zurück in die Oberliga: Anfang August schauten die Langen White Wolves in Rüsselsheim vorbei. Nach der knappen Hinspielniederlage brannte der RRSC vor heimischen Publikum auf die Revanche — und schickte den REC im ewig jungen Südhessen-Derby mit 13:4 zurück nach Langen. Sicherlich darf man diesen Sieg nicht überbewerten, aber das Resultat zeigt wenigstens, dass die Moral bei den verbliebenen Spielern, und das sind wirklich nicht viele, noch intakt ist — und dieser Umstand sollte Mut für das Saisonfinale machen.

 

Ohne eine Zusammenfassung des Kapitäns wäre dieser Rückblick nicht komplett. Daher haben wir bei Janik Schwedler nachgefragt und ihn um eine persönliche Einschätzung gebeten: »Diese Saison ist eigentlich ganz gut gestartet, dann haben wir uns etwas verloren. Zudem hatten wir viel Pech. Die Verletztenliste war  zwischendurch einfach zu lang, die Trainingsbeteiligung war phasenweise katastrophal. Für mich war es trotzdem eine Saison, aus der man viel lernen kann und viel mitnehmen muss. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf nächstes Jahr. Jetzt gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich bin dennoch unheimlich stolz darauf, Teil dieser Mannschaft zu sein. Außerdem bin ich vor allem auf die Jungs stolz, auf die immer Verlass ist. Viele Spiele wurden mit einem kleinen Kader gespielt. Das war anstrengend, aber wir haben Moral und Teamgeist gezeigt. Außerdem freut es mich, dass der Verein aktuell wieder wächst. Nächstes Jahr wird es eine zweite Mannschaft geben, das ist schon ein riesiger Erfolg. Nachdem wir fast vor dem Aus standen bin ich heute unheimlich zufrieden mit dem Verein und unserer Führung. DANKE und Hut ab an alle Royals!«

 

Baunatal kommt

 

Noch ist die Spielzeit allerdings nicht vorbei. Zum Abschluss der Vorrunde gastieren die Pinguine Baunatal, die das erste Hinspiel aufgrund von RRSC-Personalmangel geschenkt bekamen, in Rüsselsheim. Am 10.09.2017, um 16.30 Uhr, steigt die Partie. Sollten die Royals einen Sieg in regulärer Spielzeit schaffen, das wäre dann übrigens der vierte Erfolg, würden sie die rote Laterne an die White Wolves abgeben. Danach gehen die Play-Downs los.


Tops und Flops der Vorrunde

 

Der Fleißigste: Tim Bornhausen ist mal wieder das Maß aller Dinge. Das liegt nicht nur daran, dass er ein Abonnement auf die teaminterne Scorerkrone zu haben scheint, sondern auch an der Art und Weise, wie er sich auf dem Platz präsentiert. Gerade in den Spielen gegen beide Mannheimer Teams zeigte die Rüsselsheimer Nummer 77, wo der Hesse den Apfelwein holt. Zeitweise stand er in diesen Partien mehr als 50 Minuten auf dem Feld und kämpfte wie ein Besessener. Davor kann man nur den Hut ziehen.

 

Der Neue: Christoph Brabandt kannten zu Beginn der Saison nur wenige Rüsselsheimer Spieler, doch das änderte sich schnell. Der Neuzugang wusste auf Anhieb zu überzeugen und fügte sich nahtlos in die Mannschaft ein. Gerade beim Spiel gegen die erste ISC-Mannschaft zeigte er, dass auf ihn mehr als Verlass ist.

 

Der Punkterekord: Bornhausens zehn Scorerpunkte im Heimspiel gegen Langen waren die beste Punkteausbeute eines Rüsselsheimer Spielers in dieser Saison. Damit löst er Marc Stromberg ab, der in der letzten Spielzeit neun Punkte in einem Spiel schaffte.

 

Sie fehlten: Janik Schwedler und Jan Balgar fielen lange Zeit verletzungsbedingt aus. Auch Timo Dombrowski, der sich in der Schlussphase der Vorrunde endlich einmal wieder gut fühlte, plagte sich lange mit Handgelenksproblemen herum. Verteidiger Hendrik Fichtner konnte nur vier Spiele absolvieren. Diese Ausfälle wogen schwer und waren nicht zu kompensieren.

 

Der Tiefpunkt: Die 4:11-Niederlage bei den Mainprimaten war vielleicht das schlimmste Spiel der Saison. Nach einem kollektiven Einbruch und viel Unruhe auf der Ersatzbank verspielten die Royals eine 2:1-Halbzeitführung und kamen, nachdem das Unheil in der Schlussphase des dritten Viertels seinen Lauf nahm, noch böse unter die Räder.

 

Die Torjäger: Stefan Hellmich ist ein Spieler, der mit allen Wassern gewaschen ist. Zweikampfstark, nimmermüde und vor allem extrem torgefährlich. Insgesamt gelangen der Nummer 84 sechzehn Treffer in der Vorrunde. Nur einer kann das noch toppen: Dabei handelt es sich natürlich um Tim Bornhausen, der in seinen elf Einsätzen auf 23 Treffer kommt. Möglicherweise gesellen sich noch weitere Tore hinzu. Ein Spiel steht ja noch aus.

 

Der Save des Jahres: Goalie Tom Kocurek hat hier die Nase vorne. Im Heimspiel gegen die Bad Nauheim Blues entschärfte er einen Alleingang auf sehenswerte Weise. Wie der ehemalige NHL-Keeper Dominik Hasek in seinen besten Zeiten, stoppte er den Versuch mit einer Rolle.


Der Aushilfs-Royal: Gabriel Bianchi half während seines Urlaubs zwei Spiele lang in der Verteidigung aus — und erwies sich dabei als eine wichtige Stütze. Insgesamt kam der Defensiv-Stratege dabei auf neun Scorerpunkte.

 

Der Höhepunkt: Der Teamgeist im Heimspiel gegen Mannheim I war etwas ganz Besonderes. Die wenigen Royals-Spieler präsentierten sich an diesem Tag als echte Einheit. Jeder kämpfte für den anderen, das beflügelte die komplette Truppe und hätte der Mannschaft beinahe einen sensationellen Sieg beschert.

 

Die Bemitleidenswerten: Für die Keeper war es eine schwierige Saison. Zu oft wurden Jan Schneider und Tom Kocurek alleine gelassen und standen unter Dauerfeuer. Auch Benjamin Groß, der in Frankfurt sein Debüt gab, kann davon ein Lied singen. Trotz einer bärenstarken leistung kassierte er in am Rebstockgelände elf Gegentreffer.


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