Der kleinste Royal ist schon ein Großer

Max Schrank ist der jüngste Spross der Royals-Familie. 2018 ist er erstmalig bei den Erwachsenen mit von der Partie. Gleich in seinem ersten Spiel zeigte der «Knirps», was er drauf hat. Genau der richtige Zeitpunkt, um die Entwicklung des RRSC-Nachwuchsspielers unter die Lupe zu nehmen.

Den roten Teufel auf dem Helm, den Totenkopf auf der Brust und Hockey im Herz: Max Schrank. Foto: Lisa
Den roten Teufel auf dem Helm, den Totenkopf auf der Brust und Hockey im Herz: Max Schrank. Foto: Lisa

Mit den Großen mitzumischen ist für Max Schrank kein Problem. Berührungsängste kennt der Blondschopf, dessen Herz für den EC Bad Nauheim schlägt und dessen Farben er im Winter auf dem Eis vertritt, nicht im Geringsten. Er ist zwar erst elf Jahre alt, stürzt sich aber schon mitten ins Getümmel, so als würde er gegen gleichaltrige Spieler auf dem Platz um die rote Hartgummischeibe kämpfen.

 

Selbstverständlich ist das nicht. Es bedarf schon einer gehörigen Portion Mut, um sich das zu trauen. Schließlich hat der 140 Zentimeter große und knapp 35 Kilogramm leichte «Zwerg» im Duell mit den viel älteren Spielern noch oft das Nachsehen. Davon lässt er sich aber kaum abschrecken, vielmehr nimmt er diesen Umstand eher sportlich: «Es ist schon manchmal nervig, weil ich einfach noch nicht hinterherkomme, wenn ich mit den Erwachsenen spiele. Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen», weiß er zu berichten. «Die Beine sind einfach noch zu kurz», bringt es sein Vater Klaus mit einem Lächeln auf den Punkt.

 

Man merkt sofort, dass Max jemand ist, der sich nicht unterkriegen lässt. Bei den Großen fühlt er sich bereits pudelwohl. Er ist mit Leidenschaft und großem Einsatz dabei. Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die restlichen Spieler schnell erkannten, über welch großes Potenzial und Kämpferherz das jüngste Teammitglied verfügt, auch wenn es selbstverständlich noch viel zu lernen gibt. Die Royals haben Max mittlerweile richtig lieb gewonnen — und so ist es natürlich eine schöne Sache, ihn bei fast jedem Training auf dem Feld begrüßen zu dürfen. Seit sechs Jahren ist er nun schon auf Inlineskates unterwegs, den Hockeyplatz kennt er mittlerweile so gut wie seine Westentasche, was natürlich auch für das Eisstadion in Bad Nauheim gilt. Beide Orte sind für ihn so etwas wie ein zweites Wohnzimmer geworden.

 

In dieser Spielzeit ist der waschechte Rüsselsheimer auch zum ersten Mal fester Bestandteil der Puckjäger aus der Opelstadt — und das in ihn gesetzte Vertrauen zahlt er zurück. Ende April 2018, als er sein erstes offizielles Pflichtspiel in der RMHL-Sommerliga für den RRSC absolvierte, lief es bereits beachtlich gut für den Jungspund. Schon im ersten Spiel gelangen ihm drei Treffer, die er ausgiebig bejubelte und sich von seinen zum Teil fast dreißig Jahre älteren Teamkollegen feiern ließ. Ganz besonders freute sich der Knirps über seinen Premierentreffer: «Ich habe den Puck im nachstochern reingemacht, das war echt ein supergeiles Gefühl», frohlockte er nach der Schlusssirene.

 

Eine eishockeyverrückte Familie

 

Vater Klaus, der an der Zeitnahme saß, staunte jedenfalls nicht schlecht, als Max Tor um Tor erzielte. Auch für ihn dürfte es ein spezieller Moment gewesen sein. Schließlich begleitet der leidenschaftliche Eishockeyfan die Entwicklung seines Sohnes mit großem Feuereifer.

 

Dass die beiden ein eingespieltes Team sind, das sich blendend versteht, ist nicht zu übersehen. Klaus hat das Eishockeygen jedenfalls zu hundert Prozent auf seinen Sohnemann übertragen. Die Liebe für die Sportart wurde Max praktisch in die Wiege gelegt, was natürlich auch daran liegt, dass sich seine Mutter ebenfalls beim ECB engagiert.

 

Es ist schon enorm, was Klaus gerade im Winter leistet. Jedes Jahr schrubbt er etliche Kilometer, um Max zu den Spielen zu kutschieren, die Fahrstrecken ziehen sich dann häufig über hunderte Kilometer hinweg. Zudem ist er noch Mannschaftsbetreuer in der Jugendabteilung der «Roten Teufel» und mittlerweile auch bei den Royals einer der ganz großen Unterstützer.




Unkonventionelle Praktiken

 

Dabei waren die ersten Gehversuche am Sommerdamm schon etwas holprig. Da Max den Schläger zu Beginn nicht optimal hielt, griff der heutige Kapitän Janik Schwedler zu unkonventionellen Mitteln. So klebte er dem damals Sechsjährigen einfach die Hände mit Tapeband am Schläger fest. Schon etwas skurril, aber scheinbar mit großer Wirkung. Das Stickhandling des Youngsters kann sich jedenfalls sehen lassen, was übrigens nicht nur für den Sommer, sondern auch für den Winter gilt. In der kalten Jahreszeit überzeugte der Verteidiger beim EC Bad Nauheim und wurde sogar für den Kader der Hessenauswahl (Kleinschüler) nominiert.

 

Umso schöner, dass auch die Royals ein wenig Anteil an Schranks Fortschritten haben. Einigen Spielern, die ihn seit Jahren begleiten und ihn behutsam aufbauen, ist er schon jetzt dankbar, beispielsweise Tim Bornhausen, dem bereits erwähnten Schwedler, aber auch Ex-Spieler und Kapitän Krzysztof Bielski, die ihn, wie er im Interview mit Pressewart Stefan Swoboda erzählte, unter ihre Fittiche genommen und gefördert haben. «Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Dafür möchte ich einfach mal danke sagen», erklärt Max.

 

Schwedler gibt das Kompliment gerne zurück: «Max hat riesiges Talent und ist schon jetzt eine große Bereicherung für den Verein, nicht nur sportlich, sondern auch als Mensch. Es macht mir unglaublich viel Spaß ihn in der Jugend zu begleiten und seine Entwicklung zu beobachten. Mittlerweile kenne ich ihn ja schon ein paar Tage, bin aber immer wieder erstaunt über die Sprünge, die er Jahr für Jahr macht. Allmählich muss ich aufpassen, dass er mich nicht bald überholt», sagt Schwedler mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

 

Auch an Vater Klaus denkt der Royals-Capitano: «Ein großes Dankeschön geht auch an seinen Vater. Er zählt zu der Kategorie Mensch, die man einfach gerne um sich hat. Er hat immer ein offenes Ohr, steht mit Rat und Tat zur Seite und teilt gerne seine eigenen Erfahrungen mit anderen Leuten. Auch als Max noch nicht mitspielen durfte, hat er sich schon voll mit Royals identifiziert und mit angepackt. Ohne ihn wäre Max auch nicht so stark. Danke dafür.»

 

Eines ist jetzt schon sicher. Der Name Schrank ist am Sommerdamm bereits eine feste Institution. Auf ihren jüngsten Spieler ist die Mannschaft sehr stolz, gerade auch, weil dessen Entwicklung auch ein Versprechen für die Zukunft der Rüsselsheim Royals ist. (swo)



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