Der König der Royals

Gründungsmitglied, Trainer und Anführer: Krzysztof Bielski ist eine der schillerndsten Figuren in der Rüsselsheimer Hockey-Geschichte. Genau die richtige Zeit, um an den Stürmer zu erinnern.

 

Rüsselsheim Royals Krzysztof Bielski
Prägte die Rüsselsheim Royals fast zwei Jahrzehnte lang: Stürmer Krzysztof Bielski.

Die Gallionsfigur der Rüsselsheim Royals — so lässt sich in etwa beschreiben, welchen Stellenwert sich Krzysztof Bielski in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Trikot mit der Krone auf der Brust erarbeitet hat. Ab 1995 jagte er mit großem Ehrgeiz am Sommerdamm dem Puck hinterher und wurde schnell ein unverzichtbarer Führungsspieler, der die Royals auf und abseits des Platzes zusammenhielt. Ein Spieler, der dem Verein wie kaum ein anderer Akteur seinen Stempel aufdrückte. Viele Jahre lang war er das Gesicht des Teams.

 

Wie sehr ihm der Rüsselsheimer Roll- und Schlittschuhclub am Herzen liegt, zeigt schon, welche Funktionen er zeitgleich unter seinem Namen vereinigte. Viele Jahre lang war er Kapitän und Trainer. Ganz nebenbei fand er noch stets die Zeit, das Vereinsgelände auf Vordermann zu bringen. Wie viele Stunden Bielski am Sommerdamm schuftete, ist in Stunden nicht zu bemessen — und doch erfüllte er die mitunter schweißtreibenden Arbeiten mit einem Lächeln im Gesicht. Er tat das ja alles für die Royals, eben für seinen Herzensverein.

 

Mister Royals persönlich

 

Was machte den Spieler Bielski aus, was waren seine größten Stärken? In seiner besten Zeit war er eine Wucht. Zwanzig bis dreißig Saisontore waren für ihn Standard. Mit seiner Physis, Schnelligkeit und guter Technik lehrte er seine Gegner das Fürchten. Bielskis Torjägerqualitäten befreiten die Mannschaft aus so mancher Klemme. Ein Blick in die Statistik verdeutlicht das: Zwischen 2003 und 2005 markierte er 136 Punkte (77 Tore) in 36 Spielen. »Er ist einfach unser Hockeygott«, sagte Stürmer Andreas Vey vor vielen Jahren, als er auf den Kapitän der Rüsselsheim Royals angesprochen wurde. Das erscheint auf den ersten Blick ein wenig hochgegriffen. Und doch genoss Bielski in den eigenen Reihen exakt diesen Ruf. Schließlich brachte er alles mit, was ein Hockeyspieler benötigt, um auf dem Platz erfolgreich agieren zu können. All sein Talent stellte er zudem immer in den Dienst der Mannschaft. Seine Vielseitigkeit war ebenfalls ein großer Trumpf. Bis auf den Platz zwischen den Pfosten war keine Position vor ihm sicher. Bielski, der eigentlich im Sturm agierte, half auch gerne einmal in der Verteidigung aus, wenn gerade Not am Mann war — so wie es ein Führungsspieler eben macht.

 

Immer am Limit

 

Thomas Trinkaus, der Ende der 1990er Jahre für die Royals spielte, ist noch heute voll des Lobes. »Bielski ist ein hilfsbereiter und cooler Typ, der sich in den vergangenen Jahren zum Aushängeschild der Royals gemausert hat«, sagte der ehemalige Verteidiger. Lutz Teisler geht da noch einen Schritt weiter: »Mister Rüsselsheim Royals persönlich. Er war immer da. Dieser Verein war sein Leben.« Sebastian Raab, der sich Annfang  der 2000er Jahre dem RRSC anschloss, meldete sich aus dem bayerischen Exil zu Wort: »Er ist ein Spieler, der alles für sein Team gibt und immer zu 100 Prozent motiviert ist. Bielski konnte Spiele im Alleingang entscheiden. Er spielte immer am Limit«, erzählte der ehemalige Stürmer über seinen langjährigen Weggefährten.

 

Das trifft zu. Bielskis Spielweise erinnerte schon ein wenig an den Ritt auf der Rasierklinge. Er agierte tatsächlich stets am Limit. Der Stürmer verschonte niemanden. Nicht sich selbst, schon gar nicht seine Gegner und noch weniger sein Hockey-Equipment. Kein Wunder, dass er ab und an auch über die Stränge schlug. Sein körperbetontes Spiel brachte ihm so manch eine unnötige Strafzeit ein. Da war er phasenweise mehr Eis- als Inlinehockey-Spieler. Auch seine Teamkollegen wurden davon nicht verschont. Im Training konnte es in der damaligen Zeit schon ordentlich was auf die Mütze geben. Da lernten viele Spieler in Rekordzeit, dass es eine recht praktische Angewohnheit in dieser Sportart ist, den Kopf oben zu halten. Falls nicht, gab es die berühmte »Bombe«. Das war übrigens ein Wort, das Bielski gerne verwendete, sei es nach einem knallharten Schlagschuss oder einem ordentlichen Check. Bis heute ist das unvergessen. Dieser Ruf hallt auch in der Gegenwart noch über das Spielfeld, wenn RRSC-Mannschaften am Sommerdamm dem Puck nachjagen. Johannes Roßnagel hat es sogar in seinem Spieler-Steckbrief zu seinem Motto erklärt. Das ist schon eine kleine Hommage an den langjährigen Spieler-Trainer. Unvergessen bleibt auch das langgezogene »Mannomann«, das stets aus ihm herausbrodelte, wenn etwas auf dem Platz nicht rund lief. Da wusste jeder, dass es nun an der Zeit war, mit einem Höchstmaß an Konzentration zu agieren, um sich nicht Bielskis Ärger zuzuziehen.

 

Feierbiest

 

Standen keine Hockey-Spiele auf dem Programm, trommelte er die Mannschaft dennoch am Sommerdamm zusammen. »So jung kommen wir nicht mehr zusammen», lautete sein Trinkspruch bei diesen Treffen. Zig Grillabende wurden von ihm organisiert. Da schwang er stets mit Feuereifer die Grillzange, während die Sonne über dem Vereinsgelände langsam unterging, Rockmusik aus den Boxen ballerte und der Biervorrat einem Stresstest unterzogen wurde. Das nennt man wohl Teambuilding-Maßnahme. Diese Abende sorgten dafür, dass die vielen Royals-Jahrgänge sich stets zu einer festen Einheit formierten. Schnell wurden aus Hockeyspielern Freunde. Teamgeist — auch ein Wort, das eng mit dem Namen Bielski verknüpft ist. In Rüsselsheim nennt man das seit diesen Tagen einfach Royals-Geist. Das war seine Philosophie. Er hieß jeden Spieler, der den Weg zum Rüsselsheimer Hockeyplatz fand, willkommen. Da spielte Talent keine Rolle. Bielski nahm die Leute unter seine Fittiche, stand seinen Teamgefährten mit Rat und Tat zur Seite, so wie es ein guter Freund eben macht. Das ist einfach sein Naturell.

 

Manch einer erinnert sich auch heute noch gerne an die alte Zeit zurück. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die alten Recken Geschichten über den Hockeyspieler Bielski erzählen, wenn die Mannschaft nach einer Trainingseinheit oder einem Spiel gemütlich zusammensitzt und der Platz noch vom Flutlicht erhellt ist. Dann sehen sie ihn in dieser Lagerfeuer-Atmosphäre mit zerrissenen Stutzen über den Estrich-Belag jagen, mit der »Nummer 44« auf dem Rücken und einem kernigen Spruch auf den Lippen. Das ist Nostalgie pur.

 

Auf dem Zenit

 

Bielski hat in Rüsselsheim so ziemlich alles erlebt, was man als hessischer Inlinehockey-Spieler mitnehmen kann. Er sah etliche Spieler kommen und gehen und kämpfte auf Plätzen in der gesamten Republik um Punkte. Sein Weg führte ihn bis nach Frankreich, wo er 1999 in Troyes an einem Hockey-Turnier teilnahm. Teamkollege Stefan D´anna erinnert sich sich noch ganz genau an diese Zeit: »Da haben wir abends Champagner geköpft und gut gefeiert. Grundsätzlich hat Bielski immer gekämpft. Das Wort »Aufgeben« kennt er nicht.«

 

Egal was im Verein passierte, er war die Konstante, eben derjenige, der einfach immer da war. Der ganz große Traum, einmal mit den Royals am Saisonende oben zu stehen, blieb ihm jedoch lange Zeit verwehrt. Immer wieder nahm er mit dem Team Anlauf, die finale Hürde wurde jedoch nie übersprungen. Stattdessen ging es 2004 steil bergab. Für den ehrgeizigen Bielski war das kaum zu ertragen. »Dieses Jahr war ganz schlimm. Wir verloren fast jedes Spiel. Da dachte ich nach jeder Niederlage, dass Bielski detonieren würde«, erinnert sich Teamkollege Stefan Swoboda an eine Saison, über die man aus Rüsselsheimer Sicht eigentlich kein Wort mehr verlieren sollte.

 

Glücklicherweise blieb dem Stürmer dieses Schicksal erspart. Das lag vor allem daran, dass sich die Mannschaft in den kommenden Jahren weiterentwickelte. Im Jahr 2007 war es dann endlich soweit. Die Royals wurden ihrem Namen gerecht und errangen die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Keine andere Mannschaft konnte dem RRSC in der HIHL in jenen Tagen das Wasser reichen. Zwei Jahre später gelang es dem Team, dieses Kunststück zu wiederholen. Auch 2013, als die Royals die dritte Meisterschaft feierten, war er mit von der Partie. Gerade für Bielski, der so viel Herzblut in den Verein investiert hatte und so ein langen Weg mit der Krone auf der Brust gegangen war, schloss sich damit der Kreis. In diesen Jahren befand er sich auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit.

 

Für die Royals wird Bielski immer etwas ganz Besonderes bleiben. Kein anderer Spieler hat es mehr verdient, einen Platz in der »Hall Of Fame« innezuhaben. Er war es, ist es und wird es immer sein: Der König der Royals.

 


Krzysztof Bielskis Fotoalbum



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