Royals vs. Hornets: So lief das Finale

Rüsselsheim Royals
Stefan Hellmich (links) und Benjamin Groß (rechts) versuchen an die Scheibe zu kommen.

Hand aufs Herz, ein verlorenes Finale fühlt sich einfach richtig mies an. Die ganze Arbeit einer langen Saison ist im Eimer, denkt man in solchen Momenten. Am liebsten würde man im Boden versinken, sich klammheimlich aus dem Staub machen und für mindestens eine Woche im Keller Frust schieben.

 

So in etwa fühlten sich die ersten Minuten nach der Finalniederlage gegen die Nordhessen Hornets in der HRIV-Landesliga an. Fassungslos stand manch ein Rüsselsheimer Spieler bei der Siegerehrung da, als er die Medaille für den zweiten Platz überreicht bekam. Einige zogen sie direkt wieder aus und verstauten das silbern glänzende Teil in ihrer Überziehhose. Bloß weg mit diesem verflixten Ding, dürften einige RRSC-Jungs in diesen Augenblicken gedacht haben.

 

So sehr es auch schmerzt: Unter dem Strich muss man sich am Sommerdamm eingestehen, dass es in der Landesliga eine Mannschaft gab, die im Jahr 2016 noch ein Quäntchen besser als der RRSC gewesen ist. Natürlich handelt es sich dabei um die Nordhessen Hornets. Die Mannschaft aus der Region Kassel ist ein würdiger Champion. Schon in der ersten Pokalrunde mussten die Royals am eigenen Leib erfahren, wie stark die schwarzgelben Hornissen sind. Zu Saisonbeginn setzte es gleich in der ersten Runde dieses Wettbewerbs eine 3:5-Niederlage gegen Nordhessen.

 

Royals brannten auf die Revanche

 

Natürlich hofften die Royals, sich im aufgeheizten Mannheimer Friedrichspark für diese ärgerliche Niederlage revanchieren zu können. Das spürte man den RRSC-Cracks in der ersten Halbzeit auch deutlich an. Da bekämpften die Rüsselsheimer ihren Gegner mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und erzielten dann auch den ersten Treffer des Tages. In der zweiten Spielminute bekam der frei vor dem Hornets-Kasten lauernde Janik Schwedler die Scheibe zugespielt. Der Stürmer verharrte einen Augenblick, eher er den Puck zum heraneilenden Tim Bornhausen weiterleitete, der sofort abzog und nur einen Herzschlag später die Arme zum Jubeln hochriss. Die Führung der Royals wurde jedoch im direkten Gegenzug mit dem Ausgleichstreffer beantwortet.

Nur siebzehn Sekunden später versenkte Marco Philipent den Puck im Rüsselsheimer Tor. In der Folgezeit sahen die Zuschauer ein Duell auf Augenhöhe. Vermutlich war es das beste Spiel der abgelaufenen Landesliga-Saison.

 

In der zehnten Spielminute wurde der Rüsselsheimer Stürmer Stefan Hellmich zu einer zehnminütigen Disziplinarstrafe (Reklamieren) verdonnert, weil er sich über eine Schiedsrichter-Entscheidung aufregte. Mit der im Anschluss gegen ihn verhängten Strafe haderte er noch auf der Rückfahrt nach Rüsselsheim.

 

Nach diesem Schreck nahm das Spiel an Fahrt auf. In der rasanten Begegnung fielen kurz vor dem Pausentee weitere Treffer. Nach der erstmaligen Hornets-Führung durch Timo Seifert glich Franz Schmidt in der 13. Spielminute aus. Mit diesem Zwischenstand (2:2) ging es dann auch in die Halbzeitpause.

 

In der zweiten Halbzeit gingen die Royals direkt nach dem Wiederanpfiff in Front. Schmidt, der in den Playoffs insgesamt sieben Treffer erzielte, bugsierte den Puck aus spitzem Winkel an Hornets-Keeper Marc Schröter vorbei ins Tor. Die Hornets ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken und schlugen zurück: In der 17. Spielminute schaffte Seifert mit seinem zweiten Treffer des Tages den 3:3-Ausgleich. Für die Nordhessen war das Tor eine Art Initialzündung. Das Spiel der Schwarzgelben nahm plötzlich an Fahrt auf. Fast wirkte es so, als habe das Team kollektiv einen Gang hochgeschaltet. Die Royals kamen in dieser Phase mächtig ins Wanken. Die Abwehr um Hendrik Fichtner hatte alle Hände voll zu tun. Puck um Puck wurde auf das von Keeper Tom Kocurek gehütete Tor abgefeuert.

 

Royals brechen ein


Video vom Finale


Bilder aus Mannheim



Und dann kam diese verflixte 20. Spielminute, in der die Royals auf die Verliererstraße gerieten. In gerade einmal 24 Sekunden schlug es dreimal im RRSC-Kasten ein. Alexander Roth sorgte zunächst mit einem Doppelschlag für eine beruhigende 5:3-Führung aus Sicht der Hornets. Wenige Sekunden später bekam das Team aus Nordhessen einen Penalty zugesprochen. Zuvor hatte RRSC-Stürmer Bornhausen Gegenspieler Philipent bei einer Kontersituation unfair gestoppt. Der Topscorer der Hornissen versenkte den fälligen Penalty mit der Rückhand im RRSC-Gehäuse. Damit war der berühmte Drops endgültig gelutscht. Wenige Minuten später jubelten die Hornissen erneut: Eike Burda traf zum 7:3.

 

Doch die Royals, die in Mannheim auf drei wichtige Verteidiger verzichten und daher ihre Reihen umbauen mussten, gaben sich nicht auf und versuchten noch einmal Ergebniskosmetik zu betreiben, was schlussendlich von Erfolg gekrönt war. In der 25. Spielminute gelang es Fichtner noch einmal auf 4:7 verkürzen. Zu weiteren Treffern sollte Rüsselsheim allerdings nicht mehr kommen. Wenige Minuten später erklang der schrille — und möglicherweise auch ein wenig zu laute — Ton der Schlusssirene. Der Rest war eine Mischung aus nordhessischem Jubel und südhessischem Frust.

 

Aufbauhilfe in der Kabine

 

Bitter für die Royals, deren erklärtes Ziel es war, in ihrer Jubiläumssaison den vierten Titel an den Sommerdamm zu holen. Besonders an Janik Schwedler, der zähneknirschend die Pokalübergabe verfolgte, nagte die Niederlage. Dass der gerade 24 Jahre alt gewordene Stürmer ein würdiger Kapitän ist, zeigte er gleich im Anschluss in der Kabine. Dort bedankte er sich bei allen anwesenden Mannschaftskameraden und schwor die Truppe gleich auf die neue Saison ein. Kurz darauf ergriffen auch einige Teamkollegen das Wort, neben Bornhausen sprachen auch Johannes Roßnagel und Sebastian Löw.

 

Bei aller Enttäuschung sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der RRSC eine grandiose Saison gespielt hat. Einschließlich der Playoffs gingen die »Königlichen« in vierzehn Landesliga-Spielen nur zweimal als Verlierer vom Platz. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen — und genau dieses Gefühl sollte man mit in die neue Saison nehmen. Jetzt bleibt nur noch zu sagen: Glückwunsch, Nordhessen Hornets.

 

Diese Rüsselsheimer Spieler waren in Mannheim dabei: Jan Schneider, Tom Kocurek, Hendrik Fichtner, Johannes Roßnagel, Sebastian Löw, Tim Bornhausen, Janik Schwedler, Franz Schmidt, Stefan Hellmich, Timo Dombrowski, Lutz Teisler, Benjamin Groß.

 

Die Playoff-Scorer der Rüsselsheim Royals:

Name Position Spiele Tore Assists Punkte
           
Franz Schmidt Sturm 2 7 2 9
Tim Bornhausen Sturm 2 2 4 6
Janik Schwedler Sturm 2 0 4 4
Benjamin Groß Sturm 2 1 0 1
Stefan Hellmich Sturm 2 1 0 1
Hendrik Fichtner Verteidigung 2 1 0 1
Johannes Roßnagel Verteidigung 2 0 1 1
Sebastian Löw Verteidigung 2 0 1 1
           

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