Schneider: »Die PRHL ist saustark«

Jan Schneider spricht im Interview über die Pro Roller Hockey League, seine schönsten und skurrilsten Momente im Royals-Tor und über Gedankenspiele, die Schienen an den Nagel zu hängen.

 

Goalie Jan Schneider ist ein echtes Royals-Urgestein und der Rückhalt des Teams. Als Kind durchlief er die Nachwuchsabteilung des Vereins, heute ist der 25-Jährige aus dem Rüsselsheimer Kader kaum noch wegzudenken. Zwar hat der frischgebackene Familienvater nun auch privat viele Verpflichtungen. Zeit für sein Lieblingshobby bleibt dem glühenden Fan der Frankfurter Eintracht glücklicherweise dennoch. Wir haben uns mit ihm über die frischgegründete Pro Roller Hockey League (PRHL), den aktuellen Royals Jahrgang und einige skurrile Erlebnisse zwischen den Pfosten unterhalten.

 

 Hallo Jan,

 

Durch die Corona-Pandemie war lange ungewiss, ob und wann die Saison 2021 startet. Wie hast du dich fit gehalten und wie schwierig war es, nach der langen Pause wieder als Goalie in den Trainingsbetrieb einzusteigen?

 

Jan Schneider: Um ehrlich zu sein habe ich überhaupt keinen Sport gemacht. Das habe ich dann bei den ersten Trainingseinheiten konditionell sehr gespürt. Die Fitness verbessert sich nun aber mit jeder Übungseinheit und ich bin guter Dinge, demnächst wieder meine volle Leistungsstärke zu erreichen.

 

Kamst du als leidgeprüfter Torhüter zum Trainingsauftakt mit der Schwitzerei direkt wieder klar oder war das ein echter Kulturschock?

 

Ich hatte schon gut zu kämpfen mit der Schwitzerei, weil es ziemlich warm war, als wir losgelegt haben. Ich kann es einfach nicht leiden, wenn die Temperatur über dreißig Grad steigt.

 

Seit diesem Jahr haben die Royals einen neuen Trainer. Johannes Roßnagel folgte auf Janik Schwedler. Welche Unterschiede hast du in der Trainings-Philosophie der beiden bislang feststellen können?

 

Im Trainingsbetrieb gibt es eigentlich keine großen Unterschiede. Bei unserem ersten Saisonspiel in Langen ist mir aufgefallen, dass Roßnagel sehr viel von der Bande aus coacht. Bin gespannt wie es das Team in den nächsten Spielen aufnimmt. Gegen die Frankfurt Main Primaten hat es jedenfalls ganz gut geklappt.

 

Welche Erwartungen hast du an diese Spielzeit und welche Mitspieler haben dich in den ersten Monaten nachhaltig beeindruckt?

 

In der Gruppe muss unser Ziel der erste Platz sein. Das wollen wir schon schaffen. Zum zweiten Teil der Frage fallen mir spontan unsere drei Nachwuchstalente ein. Max Schrank, Joel Koczlarek und Max Fichter entwickeln sich einfach prächtig. In erster Linie bin ich aber überglücklich, alle Teamkollegen wieder um mich zu haben und mit ihnen zu zocken.

 

Freude über Shutout

 

Gegen die Frankfurt Main Primaten bist du ohne Gegentor geblieben. Ein Shutout hat beim Inlinehockey schon fast Seltenheitswert. Wie sehr hast du dich am vergangenen Wochenende über den sauber gehaltenen Kasten gefreut?

 

Natürlich freue ich mich riesig darüber, aber in erster Linie gehört der Shutout nicht nur mir, sondern dem gesamten Team. Ohne die gute Defensivleistung meiner Mitspieler wäre es schwierig geworden, ohne Gegentreffer zu bleiben. Jetzt wäre es interessant zu wissen, wie viele Shutouts ich bis jetzt im Royals-Trikot gesammelt habe. Das wäre doch etwas für die Presseabteilung (lacht).

 

Seitdem ich in der Presseabteilung bin war es dein zweiter Shutout…

 

(Schneider überlegt einen Augenblick) 2013 in der Landesliga hatte ich noch zwei.

 

Also einigen wir uns auf zehn. (Beide lachen)

 

Kommen wir nun zu etwas anderem. Stichwort PRHL, du spielst nun die zweite Saison in der noch immer jungen Liga. Welchen Eindruck macht die Liga-Organisation auf dich? Was gefällt dir besonders gut an der PRHL?

 

Was in der Pro Roller Hockey League bislang auf die Beine gestellt wurde ist schon etwas Besonderes. Vor allem gefällt mir die professionelle Arbeit der Organisatoren. Ich hätte nie gedacht, dass man so viele Teams unter dem Dach einer einzigen Liga zusammenbringen kann. Die PRHL ist schon saustark.

 

Zurück zur Person Jan Schneider. Du gilst im Team als Ruhepol. Woher nimmst du diese Gelassenheit?

 

Das weiß ich eigentlich nicht so genau. Das ist einfach meine Art. Ich denke mir im Spiel immer, dass ich als Goalie Ruhe ausstrahlen muss, weil das den Verteidigern natürlich auch enorm hilft und Sicherheit vermittelt.

 

Welche Ziele hast du dir persönlich für die unmittelbare sportliche Zukunft gesetzt?

 

In erster Linie will ich natürlich gesund bleiben, also verletzungsfrei durch die Saison kommen. Der Rest wird sich dann schon von ganz alleine zeigen. Da bin ich entspannt.

 

Jeder kennt dich nur als Goalie, aber wir wissen, dass in deiner Brust auch das Herz eines Stürmers schlägt. Ist es noch ein Thema für dich, den Torwartschläger in die Ecke zu stellen und wie früher in der Jugend als Feldspieler unterwegs zu sein?

 

Dieses Thema ist erstmal wieder vertagt. Letztes Jahr war ich aber in der Tat kurz davor die Schienen an die Wand zu nageln, weil mir ein bisschen die Motivation abhanden gekommen ist. Da wollte ich es einfach mal wieder als Feldspieler versuchen. Durch die coronabedingte Zwangspause macht mir der Job als Torhüter aber wieder großen Spaß.

 

Vorstand leistet gute Arbeit

 

Kommen wir zum Verein. Gute Infrastruktur, Jugendarbeit, mehrere Erwachsenen-Teams, der Verein befindet sich momentan im Aufschwung. Wie beurteilst du die Entwicklung des RRSC? Was läuft schon gut, wo gibt es noch Luft nach oben?

 

Unser Erster Vorsitzender Sven Albrecht und Kassenwart Klaus Schrank leisten wirklich gute Arbeit. Ich bin sehr gespannt, was sich die beiden noch einfallen lassen, um den Verein nach vorne zu bringen. Meiner Meinung nach müsste noch etwas an der Beleuchtung gemacht werden, beispielsweise wären zwei zusätzliche Flutichtmäste von Vorteil. Dann würde es weniger Schlagschatten auf dem Spielfeld geben.

 

Zum Abschluss noch ein paar seichtere Fragen. Du bist in unserer Mannschaft der Herr des Planschbeckens. Wen würdest du einmal ins Becken einladen, wenn du die freie Wahl hättest?

 

Hendrik Fichtner und Stefan Swoboda (lacht).

 

Du bist zwar erst 25 Jahre alt, hast aber schon einiges am Sommerdamm erlebt. Welche Dinge oder Highlights kommen dir in den Sinn, wenn du einem Freund von den schönsten Royals-Momenten berichten würdest?

 

Ganz klar das Landesliga-Finalspiel 2013. Da haben wir mit nur sechs Feldspielern den Titel geholt und mussten noch andauernd untereinander die Spielerhandschuhe tauschen, weil wir dummerweise nur fünf Paar dabei hatten (lacht).

 

Goalies sind eitel, aber mal Hand aufs Herz: Was war dein skurrilstes Erlebnis zwischen den Pfosten?

 

Da fällt mir etwas sehr amüsantes ein. Der Gegner, ich weiß nicht mehr gegen welches Team wir da aufgelaufen sind, spielt die Scheibe tief. Ich fahre dem Puck entgegen, um ihn zu meinem Verteidiger zu passen, treffe die Scheibe allerdings nicht richtig, sodass sie direkt bei einem Gegenspieler landet. Er fährt daraufhin Richtung Tor und schafft es tatsächlich, die Scheibe nicht im verwaisten Tor unterzubringen. Der Schuss ging am Kasten vorbei. Das war schon ein verrückter Moment.

 

Lieber Jan, wir danken dir für das Interview, wünschen dir viel Erfolg in der Saison und hoffen, dass noch mindestens fünf Shutouts in diesem Jahr in deiner Statistik verewigt werden. #swo

 

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