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Einer, der die Royals im Herzen trägt

Für ein Rüsselsheimer Urgestein sind die Wochen und Monate im Hockeysommer 2023 etwas ganz Besonderes. Die Rede ist von unserem Stürmer Janik Schwedler, der sich in diesen Tagen über ein beachtliches Jubiläum freuen darf. Die Rüsselsheimer Nummer »11« feiert seine 15-Jährige Vereinszugehörigkeit im Rüsselsheimer Roll- und Schlittschuh-Club. Heute wollen wir ihn einmal hochleben lassen und an die Meilensteine seiner Zeit im Royals-Dress erinnern. Pressewart Stefan Swoboda hat sich mit dem Werdegang des Stürmers auseinandergesetzt und empfiehlt den Kids und Jugendlichen, die in unserem Verein aktiv sind, diesen Artikel einmal genau zu lesen.

Janik Schwedler ist aus dem Verein nicht wegzudenken. Foto: Swoboda
Janik Schwedler ist aus dem Verein nicht wegzudenken. Foto: Swoboda

Von Stefan Swoboda

 

Janik Schwedler ist ein allseits bekannter Spieler in der hessischen Inlinehockey-Szene. Kaum jemand, der mit ihm auf dem Hockeyplatz den Schläger gekreuzt hat, wird sich vorstellen können, dass er in Sachen Inlinehockey ein regelrechter Spätzünder gewesen ist. Als Schwedler 2008 im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal in Rüsselsheim auf der Bildfläche erschien, wusste keiner der damals anwesenden Spieler, dass da gerade jemand in der Kabine saß, der dem Verein spielerisch und menschlich wie kaum ein anderer in der folgenden Dekade seinen Stempel aufdrücken sollte und sich zu einer der absoluten Gallionsfiguren des Clubs entwickeln würde.

 

Lehrjahre in der Opelstadt

 

An den Sommerdamm wurde Schwedler damals von unserem ehemaligen Keeper Bernd Gollan gelotst — und plötzlich befand er sich als absoluter Anfänger, der von der Sportart so gut wie gar nichts verstand, unter vielen alten Hasen, die er zu Beginn seiner aktiven Zeit selbstredend nicht richtig einschätzen konnte, doch alle begrüßten ihn freundlich und unvoreingenommen und machten ihm damit die Integration in das Team leicht. Natürlich waren die ersten Trainingseinheiten alles andere als einfach, doch Spieler wie Hendrik Fichtner erkannten sofort das Potenzial, welches in dem Teenager schlummerte und nahmen ihn unter ihre Fittiche, brachten ihm im Training geduldig ihre Kniffe und Tricks bei, ohne ihm dabei etwas zu schenken. Bis heute verbindet Fichtner und Schwedler eine tiefe Freundschaft, die über das normale Maß von Sportskameraden deutlich hinausgeht, prinzipiell sind sie wie Vater und Sohn, zumindest auf dem Hockeyplatz.

 

Zunächst gab es jedoch allerhand Neues zu erlernen, Lehrgeld wurde in einer komplexen Sportart wie Inlinehockey regelmäßig von Schwedler bezahlt und auch auf der einen oder anderen Feier auf dem Platz oder nach einem Auswärtsspiel musste er sich beweisen, doch all diese Dinge meisterte er mit Bravour, auch wenn es im Nachhinein bestimmt einmal zwischen ihm und seinem Vater Diskussionsstoff gab, als er zu später Stunde von unserem ehemaligen Kapitän Krzysztof Bielski in die Rüsselsheimer Nacht entlassen wurde und sich der Weg nachhause zu einer echten Herausforderung entwickelte. Abschließend bleibt festzuhalten, dass er seinem Sternzeichen Jungfrau entsprechend stets neugierig und lernbegierig gewesen ist, womit er die Basis für seine erfolgreichen Zeiten auf dem Hockeyplatz gelegt hat.

 

Für ordentlich Furore gesorgt

 

Plangemäß platzte nach all den vielen Trainingseinheiten, in denen Schwedler von seinen Mitspielern ausgebildet wurde, Anfang 2010 der Knoten. Plötzlich legte er los, als hätte er seit seiner Kindheit nichts anderes gemacht, als Hockey zu spielen und so war es nicht weiter verwunderlich, dass er damit begann, seine persönliche Geschichte zu schreiben. An der Seite seines kongenialen Sturmpartners Tim Bornhausen mischte er die Ligen auf, in denen die Royals auf Torejagd gingen. Beide passten spielerisch zusammen, als hätte der Hockeygott sie füreinander vorgesehen. Ihr Spiel war derartig facettenreich, dass sie die gegnerischen Reihen teilweise schon nach einem Bully überwinden konnten, da sie sich beim Anspiel die Scheibe derartig geschickt weiterleiteten, dass der Empfänger direkt auf und davon war und den Puck im gegnerischen Kasten versenken konnte.

 

Scorerpunkte pflasterten den Weg der beiden, die in diesen Jahren oftmals dafür Sorge trugen, dass der RRSC ein Wörtchen mitreden durfte, wenn es in irgendeinem Wettbewerb um die Meisterschaft ging. Druck kannten die beiden nicht, vielmehr besaßen (Das haben sie übrigens auch heute noch drauf) sie die Gabe, in den spielentscheidenden Momenten Ruhe zu bewahren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Solche Spieler sind rar gesät und die Royals konnten sich damals darüber freuen, gleich mehrere Akteure mit diesem Gütesiegel in ihren Reihen zu haben — beispielweise die bereits genannten Fichtner und Bielski, Jan Balgar oder Andreas Vey, um nur einige Namen zu erwähnen, die in dieser Zeit großen Anteil daran hatten, dass Rüsselsheim erfolgreich spielte. Folgerichtig durften die Royals in den anschließenden Jahren einige Meistertitel feiern, bei denen es oftmals kurios herging, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Taktgeber und Goalgetter

 

Spielerisch und taktisch kann man Schwedler kaum etwas vormachen, in diesen Kategorien ist er mit allen Wassern gewaschen und dadurch, im positiven Sinne versteht sich, ein absolut nerviger Gegenspieler, der den einen oder anderen Hockeyspieler schon oftmals zur Verzweiflung gebracht hat. Tore schießt in allen denkbaren Varianten, sei es mit einem seiner legendären One-Timer oder einem der vielen Alleingänge, die er mustergültig und trickreich verwandelt, so als wäre er irgendwann auf einer Party am Sommerdamm in einen Kessel Zielwasser gefallen. Im Powerplay erweist er sich seit vielen Jahren als cleverer Denker und Lenker, stehen einmal nicht genügend Verteidiger zur Verfügung, ist er sich nie dafür zu schade, als letzter Mann abzusichern oder das Spiel aufzuziehen, um damit sicherzustellen, dass sein Team nicht ins offene Messer läuft.

 

Auch taktisch ist Schwedler stets auf der Höhe der Zeit. Das über viele Jahre hinweg praktizierte Royals-Spiel, das sich vor allem aus läuferischer Überlegenheit und vielen abzuspulenden Kilometern zusammensetzt, macht er zwar mit, aber eigentlich ist das nicht seine favorisierte Hockey-Strategie. Vielmehr spielt er sich die Konkurrenz lieber geordnet und mit viel Geduld zurecht, bis der passende Moment gekommen ist, um zuzuschlagen und die Scheibe im Tor zu platzieren. Schließlich ist es immer besser, wenn der Gegner laufen muss und das eigene Team den Puck hält. Immerhin kann er diese Finesse ausleben, wenn der RRSC, wie bereits erwähnt wurde, bei numerischer Überlegenheit auf dem Platz steht, dann schlägt die Stunde des ausgefuchsten Stürmers. Wer als Zuschauer ein Royals-Spiel verfolgt sollte in solchen Augenblicken einmal ganz genau hinschauen.

 

Vom Grünschnabel zum Capitano

 

Selbstredend hatte Schwedler auch das allseits begehrte Kapitänsamt viele Jahre inne, was ein weiterer Beweis für die Wertschätzung ist, die ihm seine Teamkollegen gegenüberbrachten, gerade auch, weil er diese Funktion schon mit Anfang Zwanzig ausübte und damit für einen Capitano sehr jung gewesen ist.

 

Für einen Grünschnabel, der erst als Teenager mit dem Inlinehockey angefangen hat, ist das schon ein steiler Werdegang, vor dieser beachtlichen Leistung darf man getrost einmal seinen Hockeyhelm ziehen. Bis 2021 trug er das „C“ auf der Brust, war zudem sehr viele Jahre lang Trainer und einer der wichtigsten Ansprechpartner und Ratgeber, wenn es um die Entwicklung der ersten Mannschaft oder des Vereins ging. Sein Wort hat auch heute noch Gewicht.

 

Neuen Spielern, gerade Anfängern, stand und steht er stets mit Rat und Tat zur Seite und versucht ihnen die ersten Gehversuche so angenehm wie möglich zu gestalten, wovon aktuell auch viele Spieler und Spielerinnen der Hobby-Mannschaft profitieren, zu der es ihn regelmäßig verschlägt und in deren Runde er zu den gerne gesehenen Gästen zählt. Schwedler weiß aufgrund seiner eigenen Geschichte eben, dass man an mancher Stelle auch zurückzahlen sollte, was man schon dran erkennen kann, wie oft er dem besser stehenden Spieler die Scheibe auflegt, obwohl er selbst schießen könnte. Uneigennützige Spielweise lautet der Fachbegriff dafür.

 

Zwar muss man bei ihm als Mitspieler immer einmal damit rechnen, dass man einen flapsigen Spruch gedrückt bekommt, doch das ist alles andere als Böse gemeint, sondern gehört zu seinem Wesen dazu, er ist eben ein frecher Kerl, der es manchmal auch ein bisschen übertreibt, wie der Schreiber dieser Lobpreisung schon oftmals festgestellt hat, aber warum sollte es auch anders sein, schließlich ist es ihm während seiner ersten Jahre nicht anders ergangen und irgendwo gehört dies beim Sport auch dazu. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass man auf und abseits des Hockeyplatzes kaum einen besseren Freund und Sportskameraden als ihn gewinnen kann, auf dessen Expertise man vertrauen und auf dessen Hilfe und Unterstützung stets Verlass ist, der aber auch konstruktive Kritik verteilt, wenn es notwendig ist — und das ist auch gut so.

 

Aufbruch zu neuen Ufern

 

In den letzten Jahren zog es ihn vermehrt in die Fremde, er lief beispielsweise für die Gießen Ducks sowie für das Inlinehockey-Team-Bayern auf und absolvierte Spiele für die Rosa-Bembel Hessen, um einmal etwas anderes zu versuchen, dabei andere Leute kennenzulernen, neue Freunde zu gewinnen und natürlich auch weitere Erfahrungen zu sammeln, doch sein innerer Kompass zog ihn immer wieder zu seiner großen Inlinehockeyliebe an den Sommerdamm zurück, denn diese Verbundenheit hält ein ganzes Sportlerleben lang — und vermutlich auch darüber hinaus. Schließlich haben die Royals einen festen Platz in seinem Herzen, genauso wie auf seinem Körper, wer etwas genauer hinschaut wird den Totenkopf auf seiner Wade schon einmal gesehen haben.

 

Ein Musterbeispiel für gute Ausbildungsarbeit

 

Janik Schwedlers Werdegang zeigt, wie wichtig es ist, dass sich ein Verein der Jugendarbeit verschreibt und auch Spieler mit ins Boot holt, die auf den ersten Blick vom Alter her etwas zu spät mit dem Inlinehockey beginnen oder noch nicht die benötigten Fähigkeiten mitbringen. Der heute 30 Jahre alte Stürmer ist der lebende Beweis dafür, was mit viel Einsatz, Leidenschaft und Herzblut möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und eine effektive Ausbildungsarbeit geleistet wird.

 

15 Jahre, das ist schon eine atemberaubende Zahl. Zusammengefasst sind das hunderte offizielle Trainingseinheiten, etliche Turnier-Auftritte, hunderte Spiele und tausende Stunden, in welchen Schwedler mit seinen Teamkollegen um die Wette geschwitzt hat. Jahre zogen ins Land, in denen große Erfolge gefeiert werden durften, in denen es aber auch den einen oder anderen Rückschlag zu verkraften galt, in denen viele Feste gefeiert wurden, in welchen aus Sportskameraden Freunde geworden sind und das Team zu einer echten Einheit zusammenwuchs. All das ist unvergessen und auch mit seinem Namen verbunden. Kurzum gesagt: Wir berichten hier von einer verdammt guten Erfolgsgeschichte, die in Rüsselsheim geschrieben wurde und noch lange nicht beendet ist. Einige Seiten sind auf jeden Fall noch frei.

 

Wir gratulieren zu diesem famosen Jubiläum und hoffen inständig, dass unsere Nummer »11« verletzungsfrei und gesund bleibt, damit Schwedler noch viele Jahre lang zeigen kann, was er drauf hat — und wer an dieser Stelle glaubt, dass der so Hochgelobte für diese Zeilen ein Schmiergeld bezahlt hat, irrt sich gewaltig, denn all das was hier steht ist nichts anderes als die Wahrheit.

 

Lieber Janik, bleib so wie du bist und lass es noch viele Male krachen. Wir freuen uns auf neue Highlights und schöne Spiele. Du bist eine Royals-Legende! Möge deine Inlinehockey-Reise noch lange weitergehen. Einmal Royal, immer Royal!


15 Jahre Janik Schwedler in Bildern



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