Das Abwehr-Ass wird Vierzig

Hendrik Fichtner ist so etwas wie der „Mister Royals“. Die Nummer 56 ist seit mehr als zwanzig Jahren mit von der Partie. Heute feiert der Verteidiger einen runden Geburtstag. Grund für uns, einen genaueren Blick auf den Jubilar zu werfen.

Wo ist der freie Mann? Hendrik Fichtner skatet mit der Scheibe nach vorne. Foto: Achim Richter
Wo ist der freie Mann? Hendrik Fichtner skatet mit der Scheibe nach vorne. Foto: Achim Richter

Als Hendrik Fichtner zum ersten Mal den Rüsselsheimer Hockeyplatz betrat, bezahlten die Bundesbürger ihre Rechnungen noch mit der D-Mark, Handys wurden zwar langsam modern, waren aber noch die Ausnahme, der One-Piece-Stick bestand aus Holz und die Hockeyscheibe hatte drei Kugeln in der Mitte, die mehr schlecht als recht über die Spielfläche glitten. Das ist alles eine gefühlte Ewigkeit her. Fast so weit weg, dass es sich kaum noch real anfühlt. 

 

Damals war „Henne“, wie ihn seine Teamkollegen rufen, noch ein Teenager, einer von den jungen Wilden im Kader der Rüsselsheim Royals, zu denen er Ende der 1990er Jahre kam, nachdem er zuvor mit seinen Kumpels Kai Schmidlin, Stefan Boxen und Leo König, die später ebenfalls das RRSC-Trikot überstreifen sollten, in seinem Heimatort Medenbach erstmalig die Skates geschnürt hatte. Ein Jungspund, der einfach nur Lust auf Hockey hatte, egal ob auf Asphalt oder auf dem Eis. Er brannte schon damals für diesen Sport. Diese Leidenschaft hat er sich bis heute bewahrt, sei es im Training oder in einem Punktspiel, von denen er mittlerweile Hunderte auf dem Buckel hat. Entdeckt wurde er übrigens von unserem Ex-Spieler Daniel Wudtke, der Fichtner dann auch sogleich in die Opelstadt lockte. Ein genialer Schachzug.

 

Müdigkeit ist ein Fremdwort

 

Auch in seinem sportlich „hohen“ Alter strotzt er noch voller Tatendrang, was man alleine schon daran erkennt, dass er nicht davor zurückschreckt, an trainingsfreien Tagen alleine auf dem Platz zu skaten und die Scheibe ins verwaiste Tor zu befördern, am liebsten mit seinem fulminanten Schlagschuss, mit dem er so manchem Goalie auch heute noch mit Leichtigkeit das Fürchten lehrt. Müdigkeit ist für den leidenschaftlichen Sportfan, seine Lieblingsteams sind die Düsseldorfer EG und Borussia Mönchengladbach, ein Fremdwort.

 

Was treibt jemanden, der praktisch schon alles gesehen hat, der Meisterschaften feierte und sogar schon für die Inlinehockey-Nationalmannschaft aufgelaufen ist, immer wieder zu Höchstleistungen an? Woher schöpft er die Motivation? Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Sportart Hockey für Fichtner eine Art Lebenselixier ist, im Sieg und in der Niederlage gleichermaßen zieht ihn die Jagd auf die rote Hartgummischeibe in ihren Bann, und wer ganz genau aufpasst, kann dies deutlich spüren, wenn die Rüsselsheimer Nummer 56 über ihre Motivation und die Hingabe zum Hockey spricht. Fichtner ist einer, der immer Vollgas gibt, anders kann er gar nicht, und damit seine gesamte Mannschaft mitreißt. Dies ist ganz nebenbei erwähnt die Definition des Begriffes Mentalitäts-Monster. Allein das reicht schon aus, um ihn mit dem Prädikat „besonders wertvoller Spieler“ zu versehen.  

 

Der Star ist die Mannschaft  

 

So einer muss doch arrogant sein, denkt man sich da, zumindest ein bisschen, doch Fichtner führt auch diese Theorie ad absurdum, was vor allem daran liegt, dass er der Prototyp des geborenen Mannschaftsspielers ist. „Henne“ ist jemand, der nach einem Torerfolg über das ganze Feld zurück zum eigenen Goalie läuft, um auch ihn in den Jubel mit einzubeziehen, der nach einem plötzlichen Regenerguss als erster den Abzieher schwingt, bis der Platz endlich trocken ist und zu dem man aufschaut, wenn es im Spiel brenzlig wird. Eitelkeit ist ihm fremd, solche Verhaltensmuster hasst er regelrecht, genauso wie Strafzeiten oder Gezeter in der Kabine oder auf der Bank.

 

Vielmehr ist er einer, der das Wort Teamgeist wie kaum ein Zweiter lebt und keinen Unterschied zwischen guten oder schlechten Spielern macht, der akribisch mit neuen Leuten auf dem Platz arbeitet und niemals müde wird, auch die einfachsten Dinge immer wieder mit Feuereifer vorzumachen, bis der Groschen gefallen ist, womit er nicht nur einzelne Akteure besser macht, sondern schlussendlich auch das gesamte Team. Er lebt Hockey vor, und das ist keine Plattitüde, sondern schlichtweg die Wahrheit, auch wenn er solche Lobpreisungen nicht gerne hört, weil er sich eben nicht allzu wichtig nimmt.


Zitat

Janik Schwedler: "Seit meinem ersten Tag bei den Royals herrscht diese besondere Verbindung zwischen uns, dafür möchte ich dir an deinem Ehrentag nur das Beste wünschen.Viel Gesundheit und viel Glück. Ach Schwachsinn, das brauchst du nicht. Ich wünsche dir jede Menge Altbier im Kühlschrank, Flugtickets nach Boston und die Meisterschaft für die DEG. Bleib so wie du bist, bleib den Royals noch lange treu und lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Jeder, wirklich jeder profitiert von dir. Danke für alles Hockeygott."



Positives Denken ist Trumpf 

 

Solche Protagonisten sind rar gesät und genau aus diesem Grund sind die Royals froh, mit Fichtner einen Spieler von diesem Format in ihren Reihen zu haben. Genau der richtige Moment, um einige Zitate zum Besten zu geben, die wir vorab gesammelt haben: „Henne stellt sich nie in den Vordergrund, immer nur in den Dienst der Mannschaft. Er denkt stets positiv“, sagt etwa Lutz Teisler. Goalie Jan Schneider hält Fichtner schlichtweg „für den besten Verteidiger den er kennt“. Tom Kocurek vergleicht ihn mit einem Schachspieler, der dem Gegner aufgrund seines taktischen Verständnis stets einen Zug voraus ist, ansonsten immer für einen Spaß zu haben ist und damit zu den „Lieblingsmenschen“ in der Kabine zählt. Klaus Schrank imponiert Fichtners Umgang mit dem Nachwuchs: „Er ist einer der Hauptgründe, dass mein Sohn Max in Rüsselsheim gelandet ist. Er hat da einfach ein gutes Händchen“, sagt der Kassenwart der Rüsselsheim Royals. „Wenn jemand Hockey im Blut hat, dann ist das Henne. Er hat einen unverwechselbaren Laufstil, ist ein Kämpfer durch und durch und weiß auch, wo das Tor steht“, erzählt Sven Albrecht, der Erste Vorsitzende des Vereins. „Ich kann es ihm leider nicht beweisen, aber ich glaube, dass der Hockeygott ihn höchstpersönlich 1979 auf die Erde geschickt hat. Der Beste den ich kenne und ein guter Freund“, sagt Pressewart Stefan Swoboda.

 

 

Man merkt sofort, dass es hier um jemanden geht, der auf seine ganz persönliche Art außergewöhnlich ist und der bei allen Mitspielern große Anerkennung genießt. Kein anderer hat es mehr verdient als Fichtner, der akribische Arbeiter in der Rüsselsheimer Defensive, unser Abwehr-Ass. Längst ist er auch ein Teil der Hall of Fame

 

Auch heute, mehr als zwanzig Jahre nach seinem Dienstantritt, ist er kaum aus dem Verein wegzudenken. Das Haar ist zwar schütterer geworden, hier und da zeigt sich die eine oder andere graue Stelle, sportlich führt an Fichtner, der so elegant skatet wie kein Zweiter, aber noch immer kein Weg vorbei. Eines steht fest: Der Sommerdamm wird für ihn immer so etwas wie seine ganz persönliche Reise durch das Abenteuerland sein, und wir sind allesamt froh, ein Teil dieser hoffentlich noch lange andauernden Geschichte zu sein. 

 

Und so bleibt uns nur noch, im Takt mit den Schlägern auf den Boden zu schlagen und dabei voller Inbrunst ein Geburtstagslied anzustimmen. Happy Birthday zum Vierzigsten. Wir wünschen dir alles Gute zum runden Geburtstag. Bleib so wie du bist. Hoffentlich bist du noch lange mit von der Partie. Einmal Royal, immer Royal! Swo

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