Ein wunderbares Comeback

Diese Royals waren dabei: Oben (V. l. n. r.): Swoboda, Höhle, Bukowski, Schweser || Mitte: Fichtner, Böhm, Möcker, Schneider, Albrecht || Unten: Patrick Stoll
Diese Royals waren dabei: Oben (V. l. n. r.): Swoboda, Höhle, Bukowski, Schweser || Mitte: Fichtner, Böhm, Möcker, Schneider, Albrecht || Unten: Patrick Stoll

"Steh auf, wenn du am Boden bist" , singen die Toten Hosen auf ihren Konzerten und sorgen damit für Gänsehautfeeling unter ihren Fans. Ähnliches spielte sich am vergangenen Samstag (8.12.2018) auf dem Skaterhockey-Turnier der Bernkastel Lizards ab. In insgesamt fünf Vorrunden-Spielen kämpften die Royals um den Einzug in die Endrunde, die aus einem Spiel um den dritten Platz sowie aus dem Finale um den Turniersieg bestand. Platz vier war also das Minimalziel. 

 

Für die Royals, die sich seit langen Jahren wieder einmal zu einem Turnier anmeldeten, auf dem mit einem Ball gespielt wird, lief es zunächst überhaupt nicht nach Fahrplan. Gleich zum Auftakt traf man auf einen starken Gegner aus Fuldabrück, der sich als eine Nummer zu groß für den RRSC entpuppte und schlussendlich mit 2:0 die Oberhand behielt. Im zweiten Spiel des Tages kamen die Opelstädter gegen Traben-Trarbach zu einigen guten Torchancen, blieben vor dem gegnerischen Kasten jedoch lange Zeit glücklos. Und wenn man die Kugel vorne nicht reinhaut, klingelt es plötzlich im eigenen Kasten. Mit einem unhaltbaren Schuss ging das Team aus Traben-Trarbach in Führung. Nach einem Zuspiel von Hendrik Fichtner gelang Stefan Swoboda immerhin noch der Ausgleich. Ein weiterer Torerfolg blieb den Royals allerdings verwehrt. So trennte man sich nach fünfzehn Spielminuten mit 1:1, was in der Rüsselsheimer Kabine als ein verspielter Sieg bewertet wurde.

 

Voll einen auf die Brezel bekommen

 

Wenig später kassierte der RRSC eine desaströse Niederlage im Rhein-Main-Derby gegen den ESV Mainz. Gleich achtmal schlug es im RRSC-Gehäuse ein. Das komplette Rüsselsheimer Team stand in dieser einseitigen Begegnung komplett neben sich und verteilte dabei etliche vorweihnachtliche Geschenke. Kein Wunder, dass sich die Stimmung nach dem 1:8 unter den Rüsselsheimer Auswärtsfahrern fast auf dem Nullpunkt befand. Da fragte sich der eine oder andere, ob es nicht besser gewesen wäre, an diesem verregneten Samstag im Bett liegen geblieben zu sein, doch für solche Gedankengänge war es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät. Schließlich standen noch zwei Spiele an, die man nutzen wollte, um sich noch mit einem Sieg aus dem Turnier zu verabschieden. So ergriff Kapitän Fichtner vor dem Spiel gegen die Hausherren aus Bernkastel in der Kabine das Wort und forderte die mental angeknackste Truppe auf, die Ärmel hochzukrempeln und noch einmal alles rauszuhauen, zu laufen und zu kämpfen. Dabei vergaß er natürlich nicht, den Teamgeist zu beschwören.

 

Und seine Worte zeigten Wirkung. Im Duell mit den Lizards präsentierten sich die Jungs und Mädels mit dem Totenschädel auf der Brust komplett auf Augenhöhe. Es entwickelte sich ein rasantes Spiel mit einigen hochkarätigen Chancen auf beiden Seiten. Glück für die Royals, dass Goalie Sven Albrecht in dieser Partie jeden Schuss, der auf seinen Kasten abgefeuert wurde, entschärfen konnte, darunter gleich zwei spektakuläre Fanghand-Saves, die mit großem Beifall von den Zuschauern gewürdigt wurden. Dann spielte sich ein anderer Rüsselsheimer Keeper ins Rampenlicht. Thomas Höhle, in Bernkastel als Feldspieler eingesetzt, stand nach Dirk Schwesers Zuspiel goldrichtig und beförderte den Ball aus der Nahdistanz durch die Hosenträger des gegnerischen Keepers in die Maschen. Kurz darauf traten die Lizards zur Schluss-Offensive an, um das Rüsselsheimer Abwehrbollwerk doch noch irgendwie zu knacken, doch die Royals hielten mit viel Fleiß und Kampfgeist stand und sicherten sich schlussendlich einen knappen und hart erkämpften 1:0-Sieg, der sich fast wie eine Erlösung anfühlte. Steh auf, wenn du am Boden bist!

 

Back in Business

 

Mit vier Punkten auf der Habenseite begann dann auch sogleich das große Rechnen bei der Turnierleitung. Schnell stand fest, dass sich der RRSC noch für das kleine Finale, also das Spiel um den dritten Rang, qualifizieren konnte. Dazu reichte bereits ein Punktgewinn oder eine Niederlage mit maximal drei Treffern Unterschied, was zunächst einmal gar nicht so übel klang. Dummerweise stand den Royals dabei ein gewaltiger Brocken im Weg, nämlich die Mannschaft des IHC Landau, die sich später auch zum Turniersieger krönen sollte. Die Taktik für das anstehende Spiel war schnell ausgeklügelt: Die Uhr runterspielen, Beton in der Defensive anrühren und auf Kontersituationen lauern.

 

Die Partie begann erwartungsgemäß mit einer Vielzahl Landauer Angriffe. Der haushohe Favorit drängte die Royals in die Defensive und sorgte für jede Menge Druck. Doch den Royals, in dieser Partie als glasklarer Underdog unterwegs, merkte man an, dass das Spiel gegen Bernkastel neue Kräfte freigesetzt hatte. Zudem kämpften alle Spieler füreinander und wuchsen zu einer echten Einheit zusammen. Vor dem Rüsselsheimer Kasten herrschte zwar permanent roter Alarm, Entlastung gab es nur selten, doch der IHC Landau benötigte einige Zeit, ehe der erneut bravourös haltende Rüsselsheimer Schlussmann Albrecht erstmalig geschlagen war.

 

Wenig später klingelte es zum zweiten und dritten Mal im Rüsselsheimer Kasten. Nach dem zwischenzeitlichen 0:3 standen die Royals, die über die volle Spieldistanz um jeden Zentimeter der Spielfläche kämpften, in Sachen Ballkontrolle dem IHC Landau jedoch deutlich unterlegen waren, kurz vor dem Aus. Glücklicherweise gibt einem der Hockeygott aber ab und an einen kleinen Schubs im richtigen Augenblick. Dirk Schweser fasste sich aus rund zwanzig Metern Entfernung ein Herz und schlenzte die Kugel Richtung Landauer Gehäuse. Sein halbhoher Schuss ging zwar links am Kasten vorbei, prallte aber glücklicherweise so an der Hallenwand ab, dass er neben dem rechten Torpfosten wieder zurück auf das Spielfeld rollte, wo Swoboda stand, der das Spielgerät mit seinem dritten Treffer des Tages zugleich in den Kasten beförderte. Die Royals kassierten kurz vor der Schlusssirene noch ein weiteres Gegentor und verloren mit 1:4, dank des Ehrentreffers zog der RRSC jedoch den Fahrschein für das Spiel um den dritten Platz. Eine tolle Willensleistung, an der jeder RRSC-Spieler auf dem Feld seinen Anteil hatte. 

 

Herzschlagmomente im kleinen Finale

 

Im Spiel um Platz drei ging es nun ausgrechnet wieder gegen den ESV Mainz. Die Royals, die in der Vorrunde der Skaterhockey-Truppe aus der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt mit 1:8 noch deutlich unterlegen waren, wollten den maroden Auftritt natürlich vergessen machen und das zweite Rhein-Main-Derby für sich entscheiden. Das merkte man vor allem Kapitän Hendrik Fichtner an, der zuvor schon in den Duellen gegen Bernkastel und den IHC Landau der beste Feldspieler gewesen war und komplett unter Strom stand. Seine Lieblingsband AC/DC lässt grüßen.

 

Der Auftakt verlief jedenfalls nach Maß. Nur wenige Minuten waren absolviert, als Thomas Höhle seine Mannschaft mit 1:0 in Front brachte. Mag sein, dass die Mainzer nach dem souveränen Vorrunden-Sieg davon ausgegangen waren, erneut leichtes Spiel mit dem RRSC zu haben. Dieses Mal machten es die Opelstädter ihrem Gegner jedoch nicht so einfach. Dennoch fiel wenige Minuten später der Ausgleich, dem die Mainzer zu allem Rüsselsheimer Unglück noch den 2:1-Führungstreffer folgen lassen sollten. Die Royals standen rund fünf Minuten vor dem Ende also gehörig unter Druck, und dann schlug die Stunde des Kapitäns. Fichtner schnappte sich den Ball, sprintete nach vorne, ließ bei seinem Sturmlauf gleich zwei Mainzer Spieler stehen, ehe er die Kugel mit der Rückhand im Kasten unterbrachte. Ein Tor des Willens, lautete später die Beschreibung der Rüsselsheimer Nummer 56. Kurz darauf ertönte die Schlusssirene. Mit 2:2 ging es in die Verlängerung. Fünf Minuten gab es obendrauf. Beiden Teams winkte das Golden Goal.

 

Die Royals warfen noch einmal alles rein, zapften die letzten Energiereserven an, um den Sieg einzufahren. Gleiches galt für den ESV. Chancen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings Mangelware, was vor allem daran lag, dass beide Teams vorsichtig agierten und die Abwehrverbände gut gestaffelt standen. Schließlich konnte jeder Fehler in dieser Phase das Ende bedeuten. Wurde der Ball dann doch einmal Richtung Kasten abgefeuert, erwiesen sich sowohl RRSC-Keeper Albrecht, als auch Mainz-Schlussmann Patrick Stoll, der normalerweise ebenfalls für Rüsselsheim spielt und für das Turnier an den ESV ausgeliehen wurde, als unüberwindbare Hindernisse. Kurz darauf ertönte wieder die Sirene. Die Chance auf das Golden Goal war vertan. Nun stand das Penaltyschießen an. Der Rüsselsheimer Auftritt im beschaulichen Bernkastel sollte also mit einer Zerreißprobe enden. Schnell waren die fünf Schützen ausgesucht. Swoboda sollte den Anfang machen, dann kamen Fichtner und Andreas Bukowski an die Reihe, ehe Thomas Höhle und Dirk Schweser ihren Versuch starten würden.

 

Penaltyschießen als krönender Abschluss

 

Mainz legte vor, Rüsselsheim zog nach. Sogleich waren alle Augen auf Sven Albrecht gerichtet. Der Rüsselsheimer Goalie bewies gleich beim ersten Penalty, dass er über ein intaktes Nervenkostüm verfügt. Lange stehen bleiben, keine Lücke bieten, auf den Schuss warten, all das ging ihm vermutlich durch den Kopf, ehe die Kugel in seiner Fanghand ruhte und er realisierte, dass er den ersten Mainzer Versuch entschärft hatte. Der Keeper, der erst im vergangenen Winter die Sportart Inlinehockey für sich entdeckte, präsentierte sich abgebrüht wie ein alter Hase. Danach trat Swoboda für den RRSC an, dessen Penalty halbhoch auf der rechten Seite einschlug. Die zunächst einmal beruhigende Führung fühlte sich kurz darauf noch besser an, weil Albrecht auch den zweiten Mainzer Penalty halten konnte und damit ein wenig Druck von den eigenen Schützen nahm. Nach Fichtners Versuch, der von Stoll entschärft wurde, schlug erneut Albrechts Stunde. Völlig gelassen bot er dem dritten Mainzer Schützen keine Lücke an und hielt sein Gehäuse wieder sauber. Als nächster war Rüsselsheims Andreas Bukowski an der Reihe. Der Verteidiger mit Gardemaß lief halbrechts an, suchte sich eine Lücke und versenkte die Kugel im Netz, woraufhin sich der vierte Mainzer Schütze gegen den gefühlt immer größer werdenden Penalty-Töter Albrecht unter Maximaldruck befand. Wenige Sekunden später war auch der vierte Versuch entschärft, Albrecht reckte Stock- und Fanghand in die Höhe und ließ sich von seinen Mitspielern feiern. Der Goalie avancierte damit zum Mann des Tages.

 

Dank einer tollen Teamleistung, die ein starkes Comeback im Turnier ermöglichte, landeten die Royals schlussendlich auf dem dritten Platz.  Damit war die Reise nach Bernkastel ein voller Erfolg. 

 

Die Royals sagen Danke

 

Abschließend möchten wir uns bei den Bernkastel Lizards für die Einladung und die tolle Organisation bedanken. Wir kommen gerne wieder. Ein großes Dankeschön auch an unsere mitgereisten Fans und an die Fotografen Petra und Achim. Ohne euch wäre der Ausflug nur halb so schön gewesen.

 

Statistik

 

Aufstellung Royals

 

Sven Albrecht, Hendrik Fichtner, Dirk Schweser, Jan Schneider, Jennifer Möcker, Tobias Böhm, Stefan Swoboda, Thomas Höhle, Andreas Bukowski

 

Ergebnisse und Tore Royals

 

Spiel 1: Royals vs. Fuldabrück 0:2

Spiel 2: Royals vs. Traben-Trarbach 1:1 (Swoboda)

Spiel 3: Royals vs. ESV Mainz 1:8 (Swoboda)

 

Spiel 4: Royals vs. Bernkastel Lizards 1:0 (Höhle)

Spiel 5: Royals vs. ISC Landau 1:4 (Swoboda)

Spiel um Platz 3: Royals vs. ESV Mainz 3:2 n.P (Fichtner, Höhle)

                                                                                     (Penaltys: Swoboda, Bukowski GWG)

 

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