Schwedler: Ich bin noch immer baff!

Nach dem Sieg gegen die Nordhessen Hornets hat sich Pressewart Stefan Swoboda mit Janik Schwedler zusammengesetzt. Im Interview spricht der Kapitän über eine überragende Teamleistung, die famose Aufholjagd im letzten Viertel und den Trainerwechsel am Sommerdamm.

RÜSselsheim Royals
Vollgas für den Sieg: Royals-Kapitän Janik Schwedler stürmt in die gegnerische Hälfte. Foto: Matthias

Hallo Janik,

endlich wieder ein Sieg gegen die Nordhessen Hornets. Mit 9:8 habt ihr das Spiel am Samstag gewonnen. Wie fühlt sich das an?

Janik Schwedler: Gegen die Hornets hatten wir noch eine Rechnung offen. Daher fühlt es sich auch zwei Tage danach einfach super an. Ich bin immer noch baff! Ein bisschen bitter war der späte Ausgleichstreffer. Ich hätte die Aufholjagd und die großartige Teamleistung gerne mit einem Sieg in der regulären Spielzeit gekrönt. Aber ein Schritt nach dem anderen, ein Sieg ist schon mal genial.

Zunächst lief es aber nicht nach Fahrplan. Bis zu Beginn des letzten Viertels rannten wir einem Drei-Tore-Vorsprung hinterher. Hast du zu diesem Zeitpunkt noch an den Sieg geglaubt?

Ich traue dem Team immer viel zu. Aber ich sah den Jungs an, dass sie einfach platt sind. Das ging den Hornets glücklicherweise aber nicht anders. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich eine Niederlage erst akzeptiere, wenn das Spiel vom Schiedsrichter beendet worden ist. So war es auch gegen die Hornets. Im letzten Viertel konnten unsere Jungs dann nochmal alles raushauen was ging. Ich glaube, jeder ist froh, dass das Spiel am Samstag ausgetragen wurde und der Sonntag zum Entspannen genutzt werden konnte. Wie ich hörte, war die Party danach ausgiebig. Ich hätte das nicht mehr geschafft.

Die Aufholjagd im letzten Viertel war schon famos. Vier Tore in vier Minuten! Was für ein Comeback. Wie hast du diese Augenblicke empfunden? Was ging da ab?

Das war pure Euphorie und eine richtige Erlösung! Ich dachte schon, wir haben verlernt, Tore zu schießen und uns den Arsch aufzureißen. Innerlich war es ein Cocktail aus Erleichterung, Überwindung des inneren Schweinehundes und schierer Freude! Nach dem zweiten, spätestens dritten Tor in Folge sind die Beine von alleine gelaufen. Und die Hornets waren fast geknackt. Jeder hat das Momentum optimal genutzt und man hat den Jungs angesehen, dass noch was geht. Der Wille war in den Augen zu sehen, alle waren im Tunnel.

Die Leute, die das Spiel beobachteten, sprachen von einem „unfassbaren“ Teamgeist. Schließt du dich da an?

Endlich haben wir es geschafft, was ich schon lange sehen wollte, eben den Spirit von außerhalb des Feldes mit in eine Partie zu nehmen! Wir haben zwei Jahre lang rund um das Feld alles gegeben und sehr gut zusammen gefunden. Jetzt haben wir es endlich auf unser Spiel übertragen, genau davon leben die Royals seitdem ich im Verein bin. Mit wenigen Leuten muss man sich doppelt reinhängen. Jeder weiß das. Anfangs gab es noch leichte Unstimmigkeiten auf der Bank. Das hat zum Glück in der Halbzeit aufgehört und jeder war dann auch voll fokussiert. In den letzten Jahren war ich selten so stolz auf das Team wie am Samstag!

Jetzt haben die Royals endlich in der Oberliga gepunktet. Ist das Team nun endgültig in der höheren Spielklasse angekommen?

Jetzt haben wir Blut geleckt! Ich kann offiziell verkünden: Die Royals sind wieder da! Es ging alles schneller als geplant und ein weiteres Jahr im Aufbau hätte uns vielleicht gut getan, aber mit uns war und ist immer zu rechnen. Schließlich haben wir in den letzten Jahren vieles aufgebaut und wollen uns auch weiterhin vergrößern. Das Spiel war ganz große Werbung für den gesamten Sport. Ich hoffe, wir können das den Leuten beim nächsten Mal wieder zeigen.

Du selbst hast vier Punkte gegen die Hornets gemacht. Bist du mit einer Leistung zufrieden?

Eine einzelne Leistung interessiert keinen in dieser Sportart! Das Team als Ganzes hat funktioniert, das ist das Wichtigste! Jeder hat sich für jeden den Arsch aufgerissen. Wer am Ende die Punkte macht, ist mir ganz egal!


Ach komm schon Capitano….

Ok, wenn du es unbedingt wissen willst. Im Großen und Ganzen bin ich erstmal froh, dass ich das Toreschießen doch nicht verlernt habe. In letzter Zeit, die Saison 2016 eingeschlossen, lief es bei mir nicht so rund. Durch die Dreifachbelastung (Trainer/Kapitän/Spieler) hatte ich einfach zu viel im Kopf und konnte dann auf dem Feld nicht immer meine Leistung abrufen. Die Konzentration auf mein eigenes Spiel hat sehr darunter gelitten. Aber es hat auch endlich mit »Borni« (Tim Bornhausen) wieder funktioniert. Wir können wieder blind auf dem Feld agieren.

Jetzt geht es gegen die Langen White Wolves. Was kommt da auf die Royals zu?

Um ehrlich zu sein, kann ich Langen nicht einschätzen. Schließlich waren wir ja lange abwesend. In der Vergangenheit waren es aber immer schöne und spannende, aber auch harte Spiele. Wenn wir die Leistung, Stimmung und Euphorie von Samstag mitnehmen können, wird es aber für jeden schwer gegen uns! Eines ist jedoch klar: Langen hat eines der kleinsten Felder der Liga, das ist immer eine krasse Umstellung zu unserem Giganten-Feld in Rüsselsheim. Wir werden sehen, wie es dort läuft. Sicher ist, dass wir wie immer mit Vollgas in die Partie gehen.

Kommen wir zum Schluss noch zu einem anderen Thema. Mittlerweile ist ja durchgesickert, dass Jan Balgar die Royals ab sofort trainieren wird. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Es ist nicht durchgesickert, es ist offiziell. Jan Balgars Verletzung hat mich wie ein Schlag getroffen und für mich war sofort klar, dass wir ihm eine Aufgabe übertragen müssen, damit er weiterhin nah am Team ist und noch mehr Lust auf sein Comeback bekommt. Dazu kommt noch, wie schon erwähnt, dass die Belastung für mich einfach zu groß ist. Durch meinen eigentlichen Job und meine weiteren Verpflichtungen habe ich nicht genug Energie und vor allem Zeit, mein Traineramt so auszuführen, wie es der Verein und das Team verdient haben. Balgar ist ein echter Profi und hat tolle Ideen, zudem eine exzellente Technik und einen unfassbar großen Teamgeist. Er ist wie gemacht für diese Stelle! Gerade die Neuen und nicht so starken Spieler werden von ihm profitieren. Ich freue mich riesig, dass er das übernimmt und bin gespannt, wie er diese Aufgabe meistert. Alle werden noch eine Menge von ihm lernen und besonders ich werde ihn dabei bestmöglich unterstützen.

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