Schneider: »Die geilste Mannschaft!«

Jan Schneider schwitzt Woche für Woche zwischen den Torpfosten. Im Interview spricht der Torhüter der Rüsselsheim Royals über Hitzewallungen, die Leistung der Rüsselsheimer Mannschaft und seine Rituale.                     

Jan Schneider (Rüsselsheim Royals)
Trotz seiner Jugend eine feste Größe in der Mannschaft: Royals-Keeper Jan Schneider.

Hallo Jan,


ihr habt die Vorrunde als Tabellenerster abgeschlossen. Wie sehr bist du mit diesem Zwischenstand zufrieden?


Jan Schneider: Es hätte nicht viel besser laufen können. Wir haben die Vorrunde schon souverän abgeschlossen, lediglich eine Niederlage kassiert. Damit kann man glaube ich zufrieden sein. Jetzt heißt es volle Konzentration auf das Halbfinale.


Die Royals-Keeper haben gerade einmal 30 Gegentore in zwölf Spielen kassiert. Das ist ein überragender Wert. Woher kommt diese starke Defensiv-Leistung?


Schneider: Ganz klar durch die Verteidiger, die einen richtigen guten Job machen. Sie hindern den Gegner fast immer am Torabschluss, klären die Situation also schon bevor es richtig brenzlig wird. Für die Torhüter ist es dann auch nicht so anstrengend bei der Hitze. Das ist eine enorme Hilfe. Mit »Henne« (Hendrik Fichtner) haben wir zudem einen der besten Verteidiger am Start. Mit seiner ruhigen Art und seinem Spiel-Verständnis hilft er dem Team enorm weiter. Vorteilhaft ist auch, dass wir zwei Torhüter in der Mannschaft haben. Wenn ich mich mal verletzten sollte, kommt halt Tom Kocurek rein und hält den Kasten sauber.


Als Torhüter hast du zumeist einen guten Blick auf das Spielgeschehen. Wo liegen die Stärken der Rüsselsheimer Mannschaft und wo muss noch ein bisschen nachjustiert werden?


Schneider:  Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Meine Vorderleute haben immer ihre fünf Minuten, wo sie die Verteidigung komplett vergessen. Sonst treten sie aber stets sehr souverän auf und haben das Spiel meist voll unter Kontrolle, was dann auch meinen Job sehr erleichtert (lacht). Nachjustieren muss man aber auf jeden Fall bei der Schussgenauigkeit. Dank Lutz Teisler ist das aber schon besser geworden (lacht erneut).


Wie würdest du eigentlich deinen eigenen Spiel-Stil beschreiben?


Schneider:  Das kann ich gar nicht sagen. Ich bin oft sehr aggressiv, manchmal aber auch zu passiv. Das kommt immer ganz auf die Situation an.

 

Schwitzen ohne Ende

 

Kommen wir einmal zu den Leiden des Torhüters: Warum quälst du dich eigentlich bei mehr als dreißig Grad in deine Goalie-Ausrüstung? Beschreibe mal das Gefühl!


Schneider: Bei 30 Grad macht es überhaupt kein Spaß sich anzuziehen. Am Anfang ist noch alles hart vom getrockneten Schweiß der letzten Trainingseinheit. Das ist wirklich sau unangenehm. Dann fängst du schon vor dem Training an zu schwitzen. Aber es macht dennoch einfach viel zu viel Spaß im Tor. Daher mache ich das.


Bleiben wir noch einen Moment bei diesem Thema: Wie anstrengend ist es, im Hochsommer in Hallen wie in Assenheim oder Baunatal zu spielen, wo wirklich sehr hohe Temperaturen herrschen?


Schneider:  Also ich habe da echt noch Glück, weil ich weniger als die gegnerischen Goalies zu tun habe. Aber es ist echt unangenehm. In diesen Hallen steht die Luft einfach. Man freut sich schon, wenn ein Spieler vorbeifährt und im Anschluss daran ein wenig Wind weht. Aber glücklicherweise komme ich damit recht gut klar. Man muss sehr viel trinken. Das ist das Wichtigste.


Kommen wir zurück zur aktuellen Saison. Welches Spiel in der Vorrunde bleibt dir persönlich in Erinnerung. Was war dein Highlight?


Schneider:  Das zweite Saisonspiel gegen die Pinguine Baunatal. Da haben wir zu Null gespielt und ich konnte mir einen Shutout aufschreiben lassen.

 

Ein Spiel zum Vergessen


Gab es auch einen Tiefpunkt – irgendein Spiel, wo du nach der Schlusssirene enttäuscht gewesen bist?


Schneider:  Ganz und gar vergessen will ich unsere erste Saison-Niederlage gegen die Hanau Lobsters (Anmerkung: 3:7-Niederlage am vierten Spieltag). Da habe ich gar nicht gut ausgesehen. Nach der Schlusssirene wollte ich einfach nur noch vom Platz gehen und das Spiel vergessen.


Welche Mannschaftskollegen haben dich in diesem Jahr beeindruckt?


Schneider:  Lutz Teisler! Ich hätte nie gedacht, dass er so viele Tore schießt und so einen Torriecher hat. Und ganz klar »Henne«. Er ist so ein ruhiger Spieler. Das hilft der ganzen Mannschaft weiter.


Was macht es so faszinierend, den Totenschädel auf der Brust zu tragen? Schließlich bist du nach einem Ausflug 2015 aus Langen zurückgekehrt, als die Royals dieses Jahr wieder über eine Mannschaft verfügten.


Schneider:  Ich habe ja schon 2013 für die Royals gespielt und wollte eigentlich gar nicht weg. Schließlich ist es mir immer eine große Ehre, für Rüsselsheim aufzulaufen. Das ist so eine geile Mannschaft. Mir macht das einfach Spaß. 2015 war übrigens ein besonderes Jahr. Eigentlich wollte ich wieder für die Rüsselsheimer spielen, aber es hat sich keine Mannschaft gebildet. Dann habe ich abgeklärt, dass ich für ein Jahr in Langen spiele, aber in Rüsselsheim trainiere und sofort zurückkehre, wenn wieder ein Team an den Start geht. Glücklicherweise kam es 2016 dann auch so.


Wie bist du eigentlich damals, also 2013,  zu den Royals gekommen?


Schneider:  Ein Kumpel hat mich darauf hingewiesen. Er hat früher mal in Langen gespielt — und er riet mir dann, zu den Royals zu gehen.


Du bist gerade einmal zwanzig Jahre alt, wirkst aber zwischen den Pfosten bereits wie ein alter Hase. Woher kommt diese Abgeklärtheit?

 

Schneider:  Das kommt glaube ich daher, dass ich so ruhig bin und nie großartig rumschreie. Aber sehr schön zu hören, dass das so rüberkommt.


Goalies wird stets nachgesagt, irgendwie verrückt zu sein. Hast du eine spezielle Macke oder ein festes Ritual, das du vor jedem Spiel durchziehen musst?


Schneider:  Ich hatte mal eines. Früher habe ich vor jedem Spiel jongliert, aber das hat sich irgendwie in Luft aufgelöst. Aktuell schlage ich während des Spiels oft mit dem Schläger auf das Feld, dann einmal an die linke und rechte Schiene sowie auf die Fanghand. Das ist so ein Tick von mir.


Warum hast du dich für die Rückennummer 34 entschieden?


Schneider:  Die wurde mir bei meinem ersten Spiel gegeben. Da habe ich noch als Feldspieler agiert. Danach wollte ich sie nicht mehr hergeben — und Ian Gordon (Anmerkung: Ex-Keeper der Frankfurt Lions) hatte auch die 34. Das ist mir aber erst später aufgefallen.

 

Mit Tom Kocurek haben die Royals einen erfahrenen Keeper verpflichtet. Profitierst du davon, also kannst du dir etwas bei ihm abgucken?

 

Schneider:  Auf jeden Fall. Auch wenn wir uns nicht so oft im Training sehen. Aber er gibt mir immer Tipps und sagt mir, was ich vielleicht noch besser machen könnte.


Und wie würdest du Kocureks Spielweise beschreiben?


Schneider:  Sehr abgeklärt. Er weiß, was er macht und das sieht man auch. Er ist sehr gut mit der Fanghand.

 

Blicken wir noch einmal nach vorne. Demnächst steht das Final-Turnier in Mannheim an. Die Royals träumen von der Meisterschaft. Ist der Titel drin?


Schneider:  Ja, aber es werden noch sehr schwere Spiele bis dahin.


Lassen wir es zum Abschluss etwas seichter angehen: Ein Vertreter eines High-Tech-Unternehmens kontaktiert dich. Er bietet an, dir einen Wunsch zu erfüllen, der dein Torhüter-Leben erleichtert. Welche technische Errungenschaft würdest du als Goalie produzieren lassen?

 

Schneider:  Einen effektiveren Schutz für den Hals. Da bin ich mit dem jetzigen nicht zufrieden. Das Teil wackelt mir zu sehr herum.

 

Sinnlose Pässe nerven


Schneiders Fotoalbum



Du zählst unter den Royals-Spielern eher zu den ruhigeren Vertretern. Was kann dich  eigentlich so richtig wütend machen?


Schneider:  Sinnlose Pässe vor dem Tor, die dann auch noch schiefgehen. Sonst bin ich eigentlich bei allem sehr gelassen.


Die letzte Frage, dann sind wir durch: Bei den Royals wird das Wort Freundschaft groß geschrieben. Wie würdest du einem Fremden deine Mannschaft beschreiben?


Schneider:  Die geilste Mannschaft! Alle sind total offen. Jeder ist bei uns willkommen und kann mit dem Team trainieren — und danach wird ein Bierchen getrunken.


Lieber Jan, wir wünschen weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Interview.

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